7 Tipps für ein tolles Recording bei dir zu Hause


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Du hast ein kleines Studio in deinem Schlafzimmer oder Büro, kannst tolle Sachen damit machen aber deine Voice Recording klingen irgendwie immer schlecht? Ich gebe dir sieben Tipps, welche meiner Meinung nach helfen, das Beste aus deinem akustisch nicht optimalen Raum zu holen.

1. „get in the mood“

Was simpel und einfach klingt, kann bereits der erste Punkt des Scheiterns sein. Du oder deine Sängerin / dein Sänger müssen in der richtigen Stimmung für das Projekt sein. Soll heissen: Wenn du dir nicht wohl bist in deinem Homestudio, dann wird es auch mit der Aufnahme nichts werden. Jede Stimmung wird in der Stimme wiedergeben (weshalb heisst es wohl Stimmung?) und kommt so ungewollt in deine Aufnahme. Richte dich gemütlich ein, bis du dir wohl bist und sorge dafür, dass es deinem Studiogast genauso gut geht. Ansonsten kann das nichts werden. Also, bevor du startest: Get in the mood!

2. Mach das beste aus dem raum

Professionelle Voicerecordings werden in schalloptimierten Räumen gefertigt, welche eher trocken sind (wenig Hall), jedoch nicht tot (gar kein Hall). Sei dir bewusst, dass du im späteren Mischprozess immer noch Hall hinzufügen kannst, jedoch nicht mehr reduzieren kannst. Sprich, du kannst immer von einem trockenen sound zu einem halligen Sound, jedoch nie zurück. Du solltest also Aufnahmen in höhlenartigen Bedingungen vermeiden. Schaue, dass du nicht zuviel Hall auf der Aufnahme hast. Du kannst dies mit einfachem Klatschen oder Rufen (Hey, Ho, Ha) testen. Hörst du dich selbst? Hallt es nach?

Ein Schlafzimmer funktioniert in der Regel recht gut, da Gegenstände wie Matratzen, Decken, Teppiche und Vorhänge gute Schalldämpfer sind. Willst du jedoch in deinem Büro aufnehmen, welches ziemlich hallt, kannst du dir auch eine provisorische Sprecherkabine bauen aus Matratzen und Decken, um den Hall einzugrenzen. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – Hauptsache du hast nicht zuviel Hall oder gar Echo auf deiner Aufnahme.

3. Aufnahmeplatz richtig einrichten

Du bist nun in der richtigen Stimmung und hast deinen Raum Schalloptimiert. Nun stehst du mit deinem Mikrophon und den Kabeln sowie einem komischen Netz in dem Zimmer und denkst: Was nun? Das richtige Platzieren des Mikrophons sowie des Pop-Filters ist eine der Kernaufgaben eines guten Recording. Jedoch sei vorweggenommen: Es gibt kein Patentrezept der richtigen Platzierung und die Meinungen gehen weit auseinander. Grundsätzlich gilt auch hier: Ausprobieren, anhören, verbessern und wieder von vorne.

Wichtig ist ein Pop-Filter, welcher die P und S Laute mindert und dir so grössere Ausschläge auf der Aufnahme verhindert. Verwende diesen immer! Falls du keinen hast, kannst du auch eine Socke über das Mikrophon ziehen oder vielleicht mit einer Sturmhaube etwas kreieren. Auch hier sind der Kreativität kein Ende gesetzt.

Das Mikrophon soll in Sprechrichtung sein (vielleicht leicht aus der Achse heraus, je nach dem wegen dem Schalldruck) und die Sängerin / der Sänger soll bequem stehen können. Ich selbst bevorzuge eine leicht erhöhte Mikrophonposition, da die Sängerin / der Sänger dann leicht nach oben singt und so seinen Hals überstreckt. Das bewirkt einen optimalen Luftfluss während dem Singen. Grundsätzlich gilt jedoch wie gesagt: Ausprobieren, anhören, verbessern und wieder von vorne. Höre auf die kleinen Unterschiede, variiere mit der Distanz zur Sängerin / zum Sänger.

Mein persönlicher Tip: Markiere die Position des Studiogastes sowie der bereits getesteten Mikpositionen am Boden. So Steht dein Gast immer am gleichen Ort und du kannst, wenn dir eine vorherige Position doch am besten gefällt, wieder zu dieser Zurückkehren. So kannst du mit dem Mikrophon alles ausprobieren und kannst dir sicher sein, dass er/sie sich nicht immer danach ausrichtet oder auf einmal näher ans Mikrophon kommt und du vorherige Positionen immer wieder findest.

4. Einleveln

Das Nächste, was du tun solltest, ist das einleveln. Wenn das Mik warm ist (je nach Bauart dauert das ein paar Minuten) musst du zuerst den richtigen Pegel bei deinem Vorverstärker sowie deiner DAW finden. Du musst darauf achten, dass die Vocals immer unter dem roten Strich auf deinen Reglern bleibt. Ansonsten kann es Verzerrungen kommen. Damit du dieses „Clipping“ oder auch „Peaking“ vermeiden kannst, lässt du deinen Gast nun das Stück einmal durchsingen. So kannst du deine Pegel kontrollieren und richtig einstellen, während sich dein Gast einsingt. Eine Win Win Situation also.

5. Nimm dir genügend zeit – und genügend takes

Es gibt nichts schlimmeres bei einem Recording als Zeitdruck. Nimm dir genügend Zeit und lasse den Studiogast jede Stelle mindestens drei Mal singen, bevor du ernsthaft Aufnahmen machst. Sobald dein Studiogast überlegen muss, wie etwas geht (egal ob Text oder Musik) wird die Qualität rapide abnehmen. Die Sängerin / der Sänger muss es so im Kopf haben, damit er entspannt den Weg des Recordings geniessen kann. Grundsätzlich gilt jedoch: Nimm alles auf, beschrifte es richtig, so dass du es auch im Nachgang noch brauchen könntest. Bei mir wird nichts gelöscht. Ich behalte alles Takes, da ich diese vielleicht noch brauchen kann im weiteren Verlauf des Recording. Wenn eine Stelle einfach nicht klappen will, verliere nicht die Nerven. Überspringe die Stelle kurzerhand und nimm sie später wieder dran oder mach eine kurze Pause. Umso länger eine Stelle nicht funktioniert, desto verkrampfter wird die Sängerin / der Sänger und die Aufnahme wird immer schlechter. Also besser einmal eine Pause oder vielleicht auf einen anderen Tag verschieben, anstatt eine Frustration zu riskieren. Musik ist eine schöne Sache und soll Freude machen.

6. vorsicht bei der nachbearbeitung

Weniger ist mehr – das ist mein Grundsatz. Mit den heutigen Softwares hast du nahezu grenzenlose Möglichkeiten der Nachbearbeitung und Fehlerbehebung. Aber glaube mir: auch diese können aus Hundekot keine Pralinen machen. Wenn du zuvor also eine solide Aufnahme gemacht hast, kannst du damit auch gut arbeiten. Mit einigen Plugins und Tools kann man sehr viel herausholen – aber man sollte es nicht übertreiben. Mein Motto: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Ich will den ursprünglichen Charakter des Sängers / der Sängerin ja nicht beeinträchtigen, sondern pushen. Sachen wie Persönlichkeit, Charakter und Gefühle müssen bereits vom Sänger / von der Sängerin eingesungen worden sein, ansonsten wird das nichts. Mit Autotune oder Melodyne kann man sehr viel machen, jedoch auch übertreiben. Mache das nicht, ausser du willst einen künstlichen Effekt. Mein Tipp: Korrigiere nur Fehler mit diesen Tools – setze es nicht generell auf eine ganze Spur ein.

7. üBERARBEITUNG DES KLANGKÖRPERS

Selbst erfahrene Produzenten brauchen Jahrzehnte, um zu erfahren, was sie schön finden und was weniger. Hier kann und man sehr viel ausprobieren. Aber auch hier: Weniger ist mehr. und alles ist Geschmacksache. Folgende Plugins wirst du brauchen:

  • Einen guten paramterischen Equalizer, um unerwünschte Frequenzen zu reduzieren
  • einen De-Esser (schwächt S und P laute ab)
  • ein paar Kompressoren (Geschmacksache welche)
  • zwei drei verschiedene Delays (Verzögerungen, für verschiedene Teile des Songs)
  • ein oder zwei qualitativ hochwertige Reverbs (Hall)

Probiere es aus, was wie klingt, wie was funktioniert und was du mit welchem Tool machen kannst. Übung macht den Meister.

 

Ich wünsche viel erfolg mit meinen Tipps. Wie findest du sie? Fehlt dir etwas oder bist du anderer Meinung? Lasse mir einen Kommentar da und ich werde dir antworten.

Danke für deine Zeit und bis bald (vielleicht doch in unserem Studio). Paddy

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